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Kurgan-Tjube

Die Erschließung des Wachschstals in Südtadschikistan ist eng damit verbunden, daß sich Emigranten, darunter auch Personen deutscher Nationalität, in Wachsch ansiedelten. In der Stadt Kurgan-Tjube und in den Gebieten Wachsch und Schaartus wurden damals einige Siedlungen gegründet, in denen vorwiegend Deutsche lebten. Die massenhafte Einwanderung von Deutschen in die nördlichen und südlichen Regionen Tadschikistans ist jedoch ein Charakteristikum der Nachkriegsperiode. 1955 verließen die Deutschen, nachdem sie rehabilitiert wurden und die Kommandanturbewachung aufgehoben worden war, die Deportationsgebiete in Sibirien und Nordkasachstan. In Nordtadschikistan waren es der Wiederaufbau, der Anfang 1950 begonnen hatte, und die Gründung neuer Städte und Siedlungen in der Nähe von Chudschand, die eine große Zahl von Aussiedlern aller Nationalitäten, darunter auch Deutsche, anzogen. Eine florierende Wirtschaftslage war auch für Südtadschikistan typisch. Die landwirtschaftlichen Gebiete der Region Kurgan-Tjube verlangten den Andrang frischer Kräfte. Die Einwohnerzahl der südtadschikischen deutschen Siedlungen verdoppelte sich Mitte der 50er Jahre. Die Siedler wurden von den guten Lebensbedingungen und den Arbeitsmöglichkeiten angezogen.

»Deutsche Siedlungen«

Es ist bemerkenswert, wie stark sich die in den verschiedenen Regionen der ehemaligen Sowjetunion gelegenen Siedlungen, in denen Deutsche wohnen, voneinander unterscheiden. Es gibt noch relativ »alte« Siedlungen, die bereits Anfang dieses Jahrhunderts entstanden sind. In diesen alten Siedlungen leben vorwiegend Deutsche, die geschlossene Gemeinschaften mit eigenen Traditionen bilden. Solche Siedlungen könnte man als »deutsche Siedlungen« im wahren Sinn des Wortes bezeichnen. Daneben gibt es viele Dörfer und Städte Sibiriens, Kasachstans und Zentralasiens, in die die Deutschen, die 1941 aus dem Wolgagebiet und anderen Regionen des europäischen Teils der Sowjetunion deportiert worden waren, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kamen. Obwohl die Zahl der Deutschen in vielen dieser Städte und Dörfer seit Ende der 40er Jahre gestiegen ist, kann von »deutschen Siedlungen« kaum die Rede sein (Tabelle 1).


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